Vibrant Soundbridge
Ein Mittelohrimplantat von Med-El
Wo beginnt man bei so einem Erfahrungsbericht. Wo h�rt man auf? Kurzum, welches Ziel will man erreichen.
Wohl an, nachstehend sei die Zieldefinition angef�hrt:
Ziele
- Beschreibung der Entscheidungsfindung
- Beschreibung der Vorg�nge rund um die OP/das Fitting aus Patientensicht
- Beschreibung des Alltags mit der Soundbridge
Nicht-Ziele
- Abkl�rung medizinischer Fragen
Med-El - Vibrant Soundbridge - Info
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Die Entscheidung
Die Entscheidung f�r die Vibrant Soundbridge ist gefallen, nachdem mir ein Bekannter in einer Zeitung einen Artikel �ber Cochlea Implantate gezeigt hat. Zuf�llig ist da auch der Name des Operateurs, Prof. Baumgartner vom AKH Wien, gestanden gleich wie die URL des Produzenten dieser Dinger.
Kurzum, ich hab mich hinter den PC gesetzt und im Internet gesurft - die Seite von Med-El besucht - und Hinweise auf eine M�glichkeit gefunden, einen Antrieb ins Mittelohr zu pflanzen, der den Geh�rgang freigehalten hat.
Denn dies ist das Hauptproblem, welches ich mit H�rger�ten habe: Sie verstopfen den Geh�rgang, produzieren bisweilen R�ckkopplungspfeifen und erzeugen ganz und gar unnat�rliches Ger�uschempfinden.
Konkret ist die Sache geworden, als ich auf die Vibrant-Soundbridge-Seiten der Firma Med-El gesto�en bin.
Ich hab mir die Beschreibung durchgelesen. Dann einige Erfahrungsberichte - vornehmlich aus Deutschland und der Schweiz. Die Leute haben unisono von einer bestricknd neuartigen Erfahrung beim H�ren geschrieben, und nicht verschwiegen, da� man sich auch an dieses Ding erst mal gew�hnen muss.
So weit, so gut. Ich bin beruflich auf mein Geh�r angewiesen, da man in Projekten viel kommunizieren muss. Ich bin privat aufs Geh�r angewiesen, da man sowohl daheim als auch in der Uni kommunizieren resp. dem Vortrag lauschen muss. Mein Geh�r hat mir zunehmend Schwierigkeiten bereitet. Ich habe zunehmend keine Lust mehr gehabt, mich zu konzentrieren, um etwas zu verstehen zumal ich auch immer schneller m�de geworden bin. Also habe ich Herrn Prof. Baumgartner kontaktiert, ob man nicht einen Termin f�r eine Sondierungsuntersuchung machen k�nnte.
Die Terminvereinbarung mit Fr. Jappel ist reibungslos vonstatten gegangen und im Oktober 2006 habe ich mich im Rudolfinerhaus im 19. Bezirk eingefunden. Voruntersuchung erledigt - Anamnese und Audiogramm wie �blich - und dann hat mir Hr. Prof. Baumgartner klipp und klar gesagt, er erstens mal verst�nde, da� ich H�rger�te nicht aushalte (Okklusionseffekt) und er zweitens finde, da� ich der ideale Kandidat f�r eine Vibrant Soundbridge w�r. Kurz das Prinzip erkl�rt und mich dann denken lassen.
Da ist nicht lang zu denken gewesen. Ich habe die Sache besprochen, dann dr�ber geschlafen - aber wenn man zuvor schon drei Monate recherchiert hat und alle Fakten daf�r sprechen, braucht man nicht mehr lang nachzudenken: Ich habe mich daf�r entschieden.
Pre-Operative Betreuung/Voruntersuchung
Eine zweite Untersuchung im AKH hat mir einen Sprachtest mit miesesten Ergebnissen auf Seiten des rechten Ohres und besseren (wie nicht anders erwartet) auf dem linken Ohr gebracht. Daher hat Hr. Prof. Baumgartner beschlossen, da� das rechte Ohr mit dem Implantat unterst�tzt wird - ginge etwas schief bei der Implantation (*holzklopf*) h�tt ich noch immer das gute linke Ohr. Nach dem zu diesem Zeitpunkt (dezember 2006) kein Budget frei gewesen ist, bin ich auf die Warteliste gekommen, ausgestattet mit einem Termin f�r M�rz 2007, kurz nach meinem Geburtstag.
Im M�rz dann die frohe nachricht: Budget ist vorhanden, Geld ist freigeworden, ergo: man kann operieren. Da ich Entscheidungen einmal treffe und dann mache, was getan werden mu�, um die Entscheidung wahr werden zu lassen, habe ich gemeinsam mit dem Professor alle notwendigen Formulare ausgef�llt, am selben Tage noch ein Sch�del CRT �ber mich ergehen lassen und bin mit den Gef�hl aus dem AKH gegangen: He, Super.
Was f�r mich zu tun geblieben ist: die OP-Freigabe zu besorgen, was auch keine Hexerei gewesen ist.
Betreuung im Spital/Tag der Operation
Am 08.08.2007 im Spital (AKH/roter Bettenturm/ebene 15/HNO Station) angekommen, bin ich erstmal gr�ndlich untersucht worden. Operationstermin:9.8.2007 - 1200. Also ein paar Stunden Hungern und D�rsten. Das ist auszuhalten. Am darauffolgenden Tage, dem 9.8.2007, um 1100 hat mich eine Schwester mit einer Wurschtigkeitspille und einem kleinen Schluck Wasser versorgt, bevor der Pfleger gekommen ist um mich in den OP-Bereich zu karren. Ich brauch nicht erw�hnen, da� mir soziemlich alles wurscht gewesen ist, sogar die Warterei. Ich hab nur frech durch die gegend geschaut und mir gedacht: mei, is des luuuustig. Najo. Wurschtigkeitspille eben.
Schlu�endlich, so eine halbe Std nach 1200 bin ich in den OP-Saal gekarrt worden - und nach einem Jaukerl ward's dunkel. *schnarch*
... Zeit ist verstrichen ...
Aufgewacht bin ich mit einem ziemlich dicken Kopf und einem m�rderischen durst. Aber nein. Unmittelbar nach der OP gibts no nix zum saufen.
Schmerzen hat man kaum, wenn man nicht an der operierten Gegend rumfummelt oder daran ankommt. Selbst als kundige Arzth�nde den Verband (==Pflaster) gewechselt haben, hab ich kaum etws gesp�rt.
postoperatives Prozedere
Da gibts nicht viel zu sagen: kein Sport, keine Belastung. Den K�rper in ruhe stricken lassen. Die Region ums Ohr herum ist eine ziemlich lange Zeit bamstig und f�hlt sich komisch an - und bis der Halb-Punk, den man rasiert gekriegt hat, wieder zugewachsen ist, brauchts auch. Aber des is mir wurscht gewesen.
Insgesamt hats 1 1/2 MOnate gebraucht, bis ich sagen konnte: Jetzt ist das ganze soweit verheilt, da� mir nichts mehr wehtut, wenn ich drauf ankomm. Nunmehr, bald 4 Monate nach der Operation, bin ich schmerz- und beschwerdenfrei.
Das erste Fitting ist f�r den 26.09.2007 angesetzt worden.
Das erste Fitting
Aufregung pur. Nat�rlich hab ich die gelbe Ambulanzkarte vergessen. nat�rlich hab ich mich nicht bei der Anmeldung vorstellig gemacht und wollt gleich zu Fr. Reiss, der Logop�din, die mich betreut, marschieren. Nix da.
Dann: ein Audiogramm, das auf der rechten Seite wie zu erwarten war, schlecht ist.
Schlussendlich: Zimmerwechsel. Roberto (der Ingenieur von Med-El) holt von einem Regal eine unscheinbare wei�e Box, auf der steht mein Name.
Ah.
Das Ding.
Das langerwartete.
Geil.
Er macht die Box auf und holt ein unscheinbares dunkelbraunes Ding raus. Den Audioprozessor. Programmierkabel ran und ab damit auf den Kopf.
Das ist der Moment, an dem ich zum allerersten Mal seit Jahren wieder bewu�t etwas mit dem rechten Ohr h�re. Qu�kende, hohe Stimmen. Mei, ich hab mich so zerkugelt dar�ber.
Hernach ist der Prozessor mit meiner H�rkurve gef�ttert worden und nach einigen Feineinstellungen bin ich erstmal mit geringer Verst�rkung in die Wildnis entlassen worden - mit meiner Soundbridge.
Alltag mit der Soundbridge
F�r mich pers�nlich hat sich das Projekt gelohnt. Ich verstehe Sprache wesentlich besser als fr�her. Ich kann an Besprechungen teilnehmen, komme mit und reisse daher auch mein Maul auf. Die Leute ringsummich bemerken eine deutliche Ver�nderung in meinem Auftreten, was ich selber garnicht registriere - blind spot. In der Uni - Vorlesungen, Bl�dheiten der Komilitonen, ich verstehe alles.
Die Soundbridge wird nat�rlich nicht sofort auf volle Leistung gebracht. Die Leute im AKH wissen schon was sie tun. Man steigert graduell die LEistung, um ein Ziel zu erreichen. optimales Sprachverst�ndnis bei ca 65 bis 70 db. Sie sagen: Vogerlzwitschern ist noch nicht so wichtig f�r einen, der kaum was h�rt. Wichtig ist Kommunikation mit Leuten. Sie stellen einem die Soundbridge so fein ein, da� man selbst sagt: He, das ist geil.
Abgesehen davon ist das Ding nicht im Weg (au�er beim Hut oder Kapperl tragen) und verstopft nicht das Ohr. Man sp�rt es nicht und wenn man den Prozessor runternimmt, f�hlt sich das implantierte Ohr irgendwie tot an.
Wichtig ist, da� man folgendes bedenkt: Wunder kann auch die Soundbridge nicht bewirken. Man mu� lernen, damit umzugehen. auch das Gehirn braucht Zeit um sich an die neuen Eindr�cke zu gew�hnen. Wenn man eine geh�rige Portion Motivation, gemischt mit Realismus (vor allem nicht zuviel aufeinmal erwarten), mitbringt, wird man mit der Soundbridge nichts als Freude haben.
Und Freude hab ich, weil dieses Teil einfach nur geil ist.
Wien, im November 2007